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Kleines Reiter- bzw. Brücklocherhof-Einmaleins

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Du willst an einem Ausritt teilnehmen? Gern – diese „Gebrauchsanweisung“ gibt dir schon mal einen Eindruck, wie das so läuft bei uns, was wir machen und warum. Kurzum: Was ihr schon immer wissen wolltet, aber noch nie zu fragen gewagt habt!

Wie gut musst du reiten können?

Sei dir bewusst, dass wir bei den Ausritten (ob 2-Stunden-Ritt, Tages- oder Wanderritt) alle Gangarten reiten und recht viel und lang traben oder galoppieren. Du solltest also unbedingt die entsprechenden Sitztechniken fürs Geländereiten beherrschen: Wir traben leicht oder im Entlastungssitz, wir galoppieren im Entlastungssitz, wir reiten Steigungs- und Gefällstrecken im Entlastungssitz.

Unsere Reitweise: eine Mischung aus Signalreiten und "normaler" englischer Reitweise. Unsere Pferde werden im Gelände überwiegend am längeren (nicht durchhängenden!) Zügel in freier Haltung geritten. Stimmsignale spielen eine wichtige Rolle: Zungenschnalzen, kombiniert mit einem "Doppelklick" mit den Schenkeln, heißt schneller. "Laaangsam" oder "Haaalt" sind die Signale zum Runterschalten. Falls das Pferd auf den Schenkelimpuls nicht reagiert, folgt als nächste Stufe ein "Doppelklick" mit der Gerte an der Hinterhand. Wir reiten nahezu alle Pferde mit Gerte; nicht weil sie faul wären, sondern weil sie fein aufs Bein reagieren sollen. Dauertreiben mit klopfenden Schenkeln stumpft nur ab und ist unbedingt zu vermeiden!

Wenn du noch nie im Leben Tölt geritten bist, macht das nichts – unsere Pferde können auch traben. Tölten übst du ohnehin besser in einer Reitstunde als bei einem Gruppenausritt.

Aber eine gewisse Ausdauer brauchst du auf jeden Fall – wenn du vor zehn Jahren das letzte Mal geritten bist, solltest du nicht gleich mit einem Halbtagesritt wieder einsteigen. Bist du dir unsicher, ob du mithalten kannst, sprich uns doch vorher an. Im Zweifel langsam anfangen mit einem kürzeren Ausritt oder einer Probereitstunde bei uns. Es ist für alle Mitreiter doof, wenn einer in der Gruppe sich unwohl fühlt oder Stress hat.

Ach ja - die Ausrüstung: Für Reiter unserer Schulpferde besteht Helmpflicht. Helme können notfalls auch bei uns ausgeliehen werden. Wichtig sind außerdem die Schuhe: Sie sollten unbedingt über den Knöchel reichen (mit flachen Schuhen rutscht man leicht durch den Steigbügel oder bleibt darin hängen) und möglichst etwas Absatz haben. Bei längeren Ritten wird auch mal abgestiegen und ein Stück geführt; die Schuhe sollten also auch laufbequem sein - und in der schlammigen Jahreszeit einigermaßen wasserfest! Gut bewährt haben sich leichte Wander- bzw. Trekkingstiefel. Jacken und Mäntel sollten nicht gerade wallend weit sein und auch nicht lautstark im Wind knattern und rascheln. Unsere Pferde sind zwar cool, aber auch der bravste Isi kann erschrecken, wenn auf seinem Rücken plötzlich ein Wohnzelt in die Luft geht ;o)

Pferd holen

  • Welches Pferd du reitest, steht auf einer Tafel im Torhaus (Putzplatz)
  • An der Innenseite der Tür hängt eine Liste mit den Schulpferden und eine Erklärung, wie diese aussehen und an welchen besonderen Merkmalen du sie erkennst. Zugegeben: Es ist nicht ganz einfach, in der 45-köpfigen Herde das richtige Pferd zu finden. Aber wenn du eine Stute von einem Wallach unterscheiden kannst, einen Fuchs von einem Braunen und eine Blesse von einer Flocke, hast du gute Chancen ;o) Und im Zweifel frag jemanden vom Hof-Personal, ob du das richtige Pferd gefunden hast!
  • Jedes Schulpferd hat sein eigenes, angepasstes Halfter; die Halfter hängen in der Schulpferde-Sattelkammer. Vor dem Betreten des Auslaufes empfiehlt es sich, das Halfter zu sortieren.
  • Keine Leckerlis mit in den Auslauf nehmen! Das Füttern aus der Hand ist bei uns verboten. Das Füttern aus der Hand im Auslauf zwischen 44 anderen Pferden ist sowas von verboten, das kannst du dir gar nicht vorstellen!
  • Wenn du dein Pferd erkannt hast: Strick um den Hals legen und möglichst schnell das Halfter anziehen (auch ein Islandpferd hat irgendwann keine Geduld mehr :o) )
  • Möglichst zügig den Auslauf verlassen, denn ein Pferd am Halfter kann nicht flüchten, wenn ein ranghöherer Herdenkumpel der Meinung ist, dass er jetzt da hin muss. Du bist also ab sofort verantwortlich für die Sicherheit deines Pferdes und der Chef im Ring
  • Schaff dir Platz! Sowohl im Auslauf, aber vor allem am Tor. Verhindere, dass andere Pferde mit rausschlüpfen und dass dein Pferd beim Verlassen nochmal herzhaft in den Hintern gebissen wird. Wir haben – aus guten Gründen - ein Schleusen-System mit zwei Toren. Bitte nutze es: Jedes Tor ist erst unmittelbar vor dem Durchschreiten zu öffnen und SOFORT nach dem Durchschreiten zu schließen!

Anbinden

  • Mit dem Pferdeknoten das Pferd so anbinden, dass es gerade so mit dem Maul auf den Boden kommt (lieber zu kurz als zu lang)
  • Nur Pferde nebeneinander anbinden, die sich vertragen (im Zweifel Pferde beobachten, Personal fragen, evtl. umparken). Neben den Anbindeplätzen im Torhaus gibt es zwei Anbindebalken vor dem Hoftor und bei Schlechtwetter zusätzlich Anbindemöglichkeiten in der Liegehalle

Putzen

  • Jedes Pferd hat sein eigenes Putzzeug (hängt unter den Sätteln, die beschriftet sind)
  • Zuerst Hufe auskratzen. Fehlt ein Eisen oder ist locker? Wenn dies der Fall ist, kann es sein, dass du ein anderes Pferd bekommst, also unbedingt Bescheid sagen
  • Groben Schmutz mit dem Striegel entfernen (im Winter oder Fellwechsel empfiehlt sich der Metallstriegel/Metallkamm). Sattel- und Gurtlage sind am wichtigsten. Dann mit einer weicheren Bürste den Kopf putzen. Hat dein Sattel einen Schweifriemen, musst du auch in diesem Bereich gründlich arbeiten. Wenn du danach noch Zeit hast, kannst du dich um Hals, Hinterhand und Beine kümmern ;o)
  • Hat das Pferd irgendwelche Verletzungen? Dann sag uns bitte Bescheid.
  • Staub und lose Haare mit der Kardätsche entfernen, alle ~3 Züge die Kardätsche am Striegel abstreifen, sonst putzt man den Staub nur ins Fell (Striegel ab und zu an Boden, Wand oder Schuh abklopfen)
  • Mähne und Schweif nicht bürsten, denn da werden zu viele Haare rausgerissen – allenfalls per Hand verlesen. Nur ca. eine Handbreit Mähne vor dem Widerrist säubern, denn von dort können sich Dreckklumpen unter die Satteldecke schieben und scheuern.
  • Nasses Fell ist kein Problem, sofern feuchter Matsch und Sand gründlich mit einer feinen Bürste entfernt wurden

Satteln

  • Das Pferd MUSS vorher in der Gurt- und Sattellage gründlich sauber sein (unbedingt mit der Hand abstreichen, ob das Fell überall schön flauschig und frei von Krusten und Klümpchen ist).
  • Kontrolliere, ob Decke, Sattel oder Gurt beschädigt oder auf der dem Pferd zugewandten Seite dreckig sind (ggf. säubern oder bei Beschädigungen Bescheid geben)
  • Der Sattel soll direkt hinter der Schulter liegen (Schulterblatt mit den Fingern ertasten)
  • Beachte, dass die Decke knitterfrei und sauber ist und das Sattelblatt nicht umgeknickt ist
  • Vorm Angurten den Sattelgurt auf der anderen Seite etwas lockern, damit man den Gurt vorsichtig schließen und beidseitig etwa ins gleiche Loch nachgurten kann
  • Gurtstrippen bei Kurzgurten in den Sattelgurt stecken, damit sie nicht dreckig werden
  • Lieber 5 mal ein bisschen nachgurten, als einmal mit Hau-Ruck (wer findet das schon angenehm, wenn der Gürtel mit einem Zug festgezogen wird?!)
  • Der Sattel darf NIE ungegurtet auf dem Pferd liegen (wenn der Sattel runterfällt, bricht schnell mal der Sattelbaum und 1000 Euro sind futsch)

Schweifreimen

  • Manche Pferde haben einen Schweifreimen, dieser wird zuletzt geschlossen und zuerst geöffnet
  • Der Schweif wird angehoben und der Riemen vorsichtig um die Schweifrübe gelegt
  • Man stellt eine Faust auf die Kruppe (höchster Punkt) des Pferdes, der Schweifriemen sollte mit etwas Zug über die Faust führen
  • Beide Schnallen sollten auf gleicher Höhe verschlossen sein

Steigbügel einstellen

  • Den linken Steigbügel mit der Armlänge abmessen
  • Prüfen, wie groß (Fingerbreite) der Abstand zwischen Steigbügel und Sattelblatt ist
  • Den Abstand auf der anderen Seite genauso einstellen (nicht kapiert? Frag uns doch ;-) )
  • Armlänge, Löcher zählen oder von vorn oder hinten gucken wird sehr ungenau! (je nachdem wie man neben dem Pferd steht, wird trotz gleicher Armlänge der Steigbügelriemen fast 4 Loch ungenau. Löcher zählen ist ebenso nicht genau, denn linker und rechter Bügelriemen sind nicht immer gleich gelocht, vor allem wenn mal einer der beiden Riemen ausgetauscht wurde. Wenn das Pferd nicht 100% auf ebenem Boden steht und alle 4 Beine gleichmäßig belastet, entsteht schnell der Eindruck, dass die Bügel gleichlang bzw. ungleich sind, was aber nicht der Fall ist)
  • Gleichlange Steigbügel sind sehr wichtig.Wer möchte dem Pferd schon zumuten, das Reitergewicht ungleichmäßig zu tragen
  • Wenn du das Gefühl hast, dass die Steigbügel ungleich sind, frag lieber noch jemanden, ob er nachmisst
  • Die Steigbügel sollten nie länger als 3 Sekunden runter hängen (einfach über den Sattel legen reicht). Es kann sonst passieren, dass das Pferd, wenn es nach einer Fliege unterm Bauch tritt, mit dem Hinterhuf im Steigbügel landet und und in Panik gerät. Also: Steigbügel runter erst UNMITTELBAR vor dem Aufsitzen, Steigbügel überschlagen SOFORT nach dem Absitzen. IMMER!

Trensen

  • Erfolgt erst, wenn das Pferd gesattelt ist, die Bügel eingestellt sind und man die ganze Ausrüstung (Helm, Gerte...) bei sich hat
  • Zuerst sortiert man die Trense (wie rum gehört sie? Nichts verdreht?..)
  • Die Zügel kommen über den Hals (so wie beim Reiten, jeden Zügel auf eine Halsseite)
  • Anschließend öffnet man das Halfter (Trense derweil um die Schulter gehangen), zieht es vom Genick und legt es dann direkt wieder als Ring um den Hals (damit das Pferd beim Trensen gesichert ist)
  • Wenn zur Trense ein Reithalfter (Nasenriemen) gehört, wird dieses zuerst angelegt, aber noch nicht verschlossen
  • Zum Trensen greift man mit der rechten Hand um den Pferdekopf auf den Nasenrücken und hält die beiden Backenstücke des Zaumzeugs fest
  • Das Gebiss liegt auf der linken Hand und wird vorsichtig ins Pferdemaul geschoben (Daumen in den Maulwinkel, wenn das Pferd das Maul nicht öffnet)
  • Wenn das Gebiss im Maul ist, die Backenstücke hochziehen und von hinten nach vorne die Ponyohren unter dem Genickriemen durchschieben
  • Frisur richten ;o)
  • Nasenriemen schließen, sodass 2 Finger nebeneinender unter dem Nasenriemen auf dem Nasenbein Platz haben
  • Tipp: um Geknote mit Zügeln und Halfter vorzubeugen, die Zügelschnalle direkt hinter die Ohren legen und das Halfter über alles drüber ziehen
  • Zum Abtrensen: Zügel wieder wie zum Reiten über den Hals, Trense ausziehen, Halfter direkt richtig anziehen und verschließen, Panikhaken am Pferdekinn kurz mal öffnen und Zügel vom Hals holen

Verhalten während des Rittes

  • Wenn nicht anders angesagt, freie Positionswahl (wenn der Rittführer vorne ist, gilt es diesen nicht zu überholen, sonst kostet das eine Flasche Sekt :o) )
  • Wir reiten hintereinander, außer der Weg und die Reiterfahrung erlauben es, nebeneinander zu reiten (im Zweifel nachfragen)
  • Überholt werden darf nur nach Ansage und links (Überholspur nicht blockieren ;o) )
  • Gangwechsel zum höheren Tempo werden per Stimmkommando angesagt, zum langsameren durch Handheben
  • Jeder 2. oder 3. Reiter sollte Kommandos und Informationen nach hinten weitergeben, damit es alle gut mitbekommen; der Schlussreiter darf ein „Angekommen!“ nach vorne schmettern
  • Bei Ritten über 2 Stunden sollte für die letzten 10 Minuten der Gurt schon ein Loch gelockert werden (um Ödemen in der Gurtlage vorzubeugen)
  • Auf dem letzten Stück Heimweg vom Steigerhof zum Brücklocherhof führen wir die Pferde, denn auf dem Asphalt rutschen sie sonst sehr und da es eh nur noch 300 Meter bergab geht, ist das auch zumutbar ;o)
  • Auch wenn Raudka das Gegenteil behauptet: Unsere Pferde dürfen zum Äppeln NICHT stehenbleiben - als Fluchttiere können sie das im Gehen erledigen! In einer Gruppe von zehn Reitern kommt man sonst überhaupt nicht mehr vom Fleck, wenn alle paar Minuten einer die Bremse reinhaut und den Schweif hebt...
  • Solltest du dich nicht wohl fühlen oder irgendwas sein (z.B. Gerte verloren), gib sofort Bescheid

Verhalten in Reitpausen

  • Bei Ritten mit Pause haben wir spezielle Wanderreithalfter, die beim Reiten unter der Trense bleiben. Diese haben keine Schnallen und sind sehr dünn, was den Tragekomfort erhöht
  • Unsicher, wie man sowas anzieht/verschliesst? Vorher fragen ;o)
  • Nach dem Absteigen Trense ausziehen, Wanderreitzügel ins das Wanderreithalfter einhaken
  • geeignete Anbindestelle suchen (z.B.stabiler Baum, auf Giftpflanzen achten) und Pferd mindestens auf Buggelenkhöhe anbinden; besser etwas höher und besser kürzer als länger: Gerade so, dass dein Pferd seinen Kopf in einer entspannten Haltung tragen kann. Es darf NICHT mit der Nase auf den Boden kommen (Verhedderungs-Gefahr!)
  • Nur Pferde nebeneinander anbinden, die sich vertragen, ggf. nachfragen
  • Gurt nicht lockern, wenn der Bauch nicht ganz sauber ist (sonst kommt Dreck unter den Gurt und es entstehen Scheuerstellen)
  • Absatteln nur für längere Pausen und wenn Putzzeug mit dabei ist (z.B. Baderitte)
  • Mindestens eine Person behält die angebundenen Pferde im Auge

Nach dem Reiten

  • Pferde anbinden; evtl. wurden die Halfter von anderen Putzplatz-Nutzern weggehängt – dann erst mal Halfter suchen ;o)
  • Kraftfutter fertig machen und ALLEN PFERDEN GLEICHZEITIG reichen (Futtermenge steht auf der Tafel hinter dem Pferdenamen). Die Futtereimer werden umgehängt. Anbindelänge kontrollieren – die Nase muss so eben auf den Boden kommen. Bitte nichts aus der Hand füttern (wir wollen kein Futterautomat sein)
  • Dann erst die fressenden Pferde absatteln
  • Hufe kontrollieren (fehlt ein Eisen? Verletzungen oder Fremdkörper am Huf? Informier uns!)
  • Evtl. Abspritzen oder mit dem Schwamm abwaschen (bitte nicht im Torhaus)
  • Pferde zum Wälzen in die Liegehalle, in den Auslauf bzw. auf die Weide bringen